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15. Juli 2012 - 09:05h | Aktualisiert: 15. Juli 2012 - 09:05h

Politik: Hilfe muss rentieren (2)

Wie war das bei den Alten Griechen? “Politik” bezeichnete in den Stadtstaaten die Dinge, die “Polis”, also “Stadt” und späteren “Staat” betrafen, das waren die “politischen” Dinge. “Politik” war vergleichbar mit dem römischen Begriff der “res publica”, aus dem die “Republik” hervorwuchs. Wir sind halt urban und griechisch und ein bisschen römisch getrimmt, da lässt sich nichts ändern. Die haben uns gezeigt, wie man Mittel sammelt, um zur Macht zu kommen und an der Macht zu bleiben. DAS ist Politik.

“Politik” ist der Streit um die Regelung von Macht und Besitz, um das Durchsetzen von Forderungen im privaten und öffentlichen Bereich. Zankapfel ist, ob Geld, Einigkeit, Macht, Besitz, Konflikt, Herrschaft, Ordnung, Friede, Gemeinwohl oder was auch immer wichtiger sei. “Politik” ist der klägliche Versuch, ohne Streit gute Lösungen zu finden.

Ziel der Politik ist Friede. Friede ist Politik schlechthin. Freiheit ist der erste Leitbegriff der französischen Revolution, dazu kamen Gleichheit und Brüderlichkeit – die Begriffe wurden immer verschwommener. Freiheit kann noch als Gegenbegriff zu Macht oder Herrschaft verstanden werden. Friede von aussen, und Friede im Innern. Friede im Innern. bedeutet Ruhe, ein ruhiges Umfeld.

In einem ruhigen Umfeld kann Politik arbeiten, kann man regieren, produzieren, ernähren. Doch die Welt interessiert sich nicht mehr. hilft nicht mehr, erst braucht es wieder Action, Unruhe, dass sich etwas bewegt.

Es ist wie wenn man ein Rad anstösst und ein Motor fehlt, das Rad läuft aus. Bis wieder ein Stoss folgt. Ein Anstoss von aussen. Das kann Wirtschaft, Veränderung, Unzufriedenheit, eine neue Katastrophe sein. Das ist Politik.

Die Regierung räumt jetzt mit Polizeigewalt eine Zeltstadt nach der andern. Sie erzeugt damit Unruhe, die Obdachlosen gehen hie und da zu tausenden auf die Strasse. Wenn die für Stunden abschüssig ist, rennen sie gar gegen das Meer hinunter, wie eine breite, brennende Walze. Und schwingen dazu Äste und Zweige, das ist das Zeichen der Unzufriedenheit. Der Unruhe, und des inneren Unfriedens.

Man streitet wieder um eine eigene Armee, beschwört auch äusseren Unfrieden herauf. Haïti würde wieder interessant, auch in den Augen der Welt. Das ist Politik.

Und die Armen haben immer noch keine Arbeit. Ausser schaufeln und wischen. So gehen wenigstens die Trümmer weg, und die Pisten werden zu Strassen. Die Mitarbeiter der Hilfswerke sind abgereist oder haben sich niedergelassen, weil sie Schönheiten und Vorzüge entdeckt haben. Sie haben Häuser gebaut und Arbeit gebracht, Häuser im hier überrissenen Stil ihres Wurzellandes, Arbeit für die die das fernab der Insel gelernt haben. Sie sorgen für eine weitere Durchmischung der Bevölkerung, sprich Globalisierung, sie halten die “Wirtschaft” am Laufen.

Aber da gibt es noch ein paar Altreiche, die ihre Milliarden (hatten sie schon VORHER!) in ihr eigenes Reich stecken. Die Betonstrassen mit Trottoirs und Strassenleuchten auf Bergkämmen bauen, gigantische Autoparkplätze in den Felsen aussprengen, die Berge aushöhlen und unterirdische Parkhäuser in ihre Gipfel einpassen, deren Villen darüber thronen. Vor einer Handvoll Jahren (die Finger reichen bereits nicht mehr zum Zählen) hat ein Präsident verkündet, die sollten ihre Häuser öffnen und ihre Güter teilen, da wurde er verjagt …

Eines ist sicher: die Welt wird nicht in Acapulco oder Sun City, die Welt wird in Haïti überleben!

In griechisch-römischen, in demokratischen Systemen geht es um das Sammeln von Akzeptanz, von zustimmenden Mehrheiten. Die Politik beisst sich in den Schwanz. Durch die immer mehr Mitsprechenden und die immer mehr, vielfältigeren und komplexeren Themen wird der Abgrund zwischen Ist und Soll, zwischen Tragbarkeit und Machbarkeit, zwischen Theorie und Praxis immer skandalöser. Betrachte nur die so genannte “Politik” in den “Geldländern”, es ist zum Schreien!

Unterdessen könnte man sich wieder streiten darüber, ob solche Berichterstattung für das Land und seine Menschen “rentiert”, nützlich oder schädlich ist, denn daran misst man ja alles. Nützlich vielleicht weil sie den Armen hilft und Neugierige herlockt (die auch nicht helfen), schädlich weil sie das Land in einem schlechten Licht darstellt und für Besucherströme muss man doch gut dastehen. Also lassen wir die Politiker weiterhin streiten und halten uns am besten raus, DAS ist Politik.

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